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Künstler machten Lust auf Weihnachten
Kernthema besungen: Von "Herbei o ihr Gläubigen" bis "The Holly Bears A Berry"

STUHR (hob) · Gibt es eigentlich noch irgend etwas, das man sich zu Weihnachten schenken könnte? Selbst denen, die sich diese Frage eigentlich gar nicht gestellt hatten, gaben Scarlett O' und Jürgen Ehle am Freitag im Stuhrer Rathaus eine gute Antwort: Wie wäre es einmal mit Weihnachten an und für sich? "Gans ohne Tannenbaum - Why, why, whynachten?" hieß das Programm des Duos, und es versuchte ganz unverblümt etwas, was heute meistens unversucht gelassen wird: sich auf das Kernthema des "Festes der Liebe" zurückzuziehen.
Mit Liedern und Worten betrieben O' und Ehle kulturelle Abrüstung mit Sinnlichkeit und Verstand, wofür sie auch prädestiniert erscheinen. Trotz vieler Ausflüge in Rock und Pop kommen beide aus der Chanson- und Liedermacherszene, wissen also, wie man mit kleinen Mitteln ganz Großes schafft.
Genau das ist eigentlich auch das Hauptmerkmal der Weihnachtsgeschichte. Mit Altvater Bachs "Ich steh' an Deiner Krippen hier" zündeten die zwei Brandenburger ihre erste musikalische Kerze an, andere Weihnachts-Klassiker von "Schlaf wohl, du Himmelsknabe" bis "O Tannenbaum" oder "Herbei o ihr Gläubigen" trugen das wärmende musikalische Licht weiter, und zwar reduziert aufs Wesentliche: eine Sängerin, die alle Register vom stillen Balladieren bis zur druckvollen Röhre beherrscht, und ein Gitarrist, der mit geradezu kompositorischem Ehrgeiz an seine Sache herangeht.
Jürgen Ehles hoch originelle Begleit-Arrangements bestanden nicht nur neben Scarlett O' - sie sorgten für einen Farben-und Stimmungsreichtum, der bei Gitarristen leider nicht selbstverständlich ist. Dass "Gans ohne Tannenbaum" aber kein bloßes Absingen bekannter Weihnachtsweisen war, machte den Abend am Ende so echt. Es war auch Platz für andere Geschichten wie die Erzählung von Minenbetreibern in den USA, die eine Weihnachtsfeier ihrer Arbeiter zu einem Massaker machten, für Erzählungen von Kästner oder Ringelnatz. Zu hören war Folkiges wie das englische "Holly Bears" oder russisches Hau-Ruck-Liedgut wie das herrlich zwischen Kraft und Zerbrechlichkeit wechselnde "Weihnachtsbäumchen"-Lied.
Vor allem aber erzählte Scarlett O' immer wieder die Geschichte des Weihnachtskindes. "Ob man das nun glaubt oder nicht", sagte sie, "ist nicht so wichtig. Aber es ist unsere Pflicht, jedem Kind schon hier den Himmel auf Erden zu bereiten und es nicht darauf zu vertrösten, dass nach dem Tod eine bessere Zeit kommt". Solche Worte oder ein Blues auf ein sehr einsames Weihnachtsfest ("Heiligabend ist der Anfang einer viel zu stillen Nacht") machten den Abend im Ratssaal zu einer authentischen Kostbarkeit im billig glitzernden Getriebe vorweihnachtlicher Beliebigkeit, in der sogar eigentlich abgenudelte Weihnachts-Evergreens wie das abschließende "I'll be home for christmas" einen guten Platz fanden.

(Boris Hellmers in der Kreiszeitung/Stuhr-Weyher-Zeitung, O8.12.O8)

 
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